The Ghost Of Orion - 2020

Cover zu "The Ghost Of Orion"

REVIEW VON MIRKO PIDDE - METAL.DE

TRACKLISTE

01. YOUR BROKEN SHORE - 7:43

02. TO OUTLIVE THE GODS - 7:56
03. TIRED OF TEARS - 8:37
04. THE SOLACE - 5:52
05. THE LONG BLACK LAND - 10:01
06. THE GHOST OF ORION - 3:31
07. THE OLD EARTH - 10:32
08. YOUR WOVEN SHORE - 2:09

Lange war die Zukunft der Death-Doom-Legende MY DYING BRIDE ungewiss. Das ging sogar so weit, dass eine Auflösung oder zumindest der Ausstieg von Sänger und Gründungsmitglied Aaron Stainthorpe im Raum stand, nachdem seine Tochter schwer an Krebs erkrankte. Mehr zu dieser schweren Zeit und wie es dann doch noch zu „The Ghost Of Orion“ kam, erzählt uns Aaron im ausführlichen Interview.

Neben dem erneuten Ausstieg von Ur-Gitarrist Calvin Robertshaw gibt es auch noch einen Wechsel am Schlagzeug, einen neuen Toningenieur und natürlich den Weggang von ihrem Stammlabel Peaceville hin zu Nuclear Blast zu verzeichnen. Stehen die Zeichen also auch soundtechnisch auf dem ersten Album seit fünf Jahren auf Veränderung?

MY DYING BRIDE – Zwischen klassisch und neuer Eingängigkeit

Der Opener „Your Broken Shore“, der auch als erster Vorab-Song veröffentlicht wurde, ist geschickt gewählt, da er nicht nur mit einem klassischen MY DYING BRIDE-Riff beginnt, sondern Stainthorpe auch beweist, dass er garstige Growls nicht verlernt hat. Fans des letzten Albums „Feel The Misery“ sollten in jedem Fall auf ihre Kosten kommen, aber selbst Old-School-Anhänger dürften dem Song einiges abgewinnen können. Bereits in „The Outlive Of Gods“ zeigt sich die Band aber von ihrer anderen, zerbrechlicheren und fast schon zugänglichen Seite, die – so viel sei bereits verraten – auf „The Ghost Of Orion“ nicht unwesentlichen Raum einnimmt.

An Songs wie „Tired Of Tears“ und vor allem „The Solace“ werden sich die Geister scheiden, da sie nicht nur zum eingängigsten gehören, das die Briten jemals aufgenommen haben, sondern auch wesentlich folkiger daher kommen als bislang. Das liegt übrigens keinesfalls nur am Gastgesang von Lindy-Fay Hella (WARDRUNA). Auch Aaron selbst klingt teilweise deutlich folk-lastiger, was sich in „Tired Of Tears“ am deutlichsten zeigt. Im Gegensatz zu WARDRUNA klingt hier aber natürlich alles „Very British“, was der Band durchaus gut zu Gesicht steht – gerade auch um sich von anderen Formationen im Death Doom, die selbst gerne MY DYING BRIDE zitieren, absetzen zu können.

Eins muss aber auch klar gesagt werden: „The Ghost Of Orion“ ist keinesfalls poppig und auch garantiert kein Folk-Album geworden. Mit dem Opener, „The Long Black Land“ und „The Old Earth“ sind Nummern enthalten, die auch den Fan der ersten Stunde glücklich machen sollten. Dennoch ist die Verarbeitung einer der wohl schlimmsten Phasen im Leben des Frontmanns deutlich weniger düster und tonnenschwer ausgefallen, als es vermutlich die meisten erwartet hätten.

Ausgereift, aber ohne extreme Höhen und Tiefen – „The Ghost Of Orion“

Im Gegensatz zu „Feel The Misery“, der Kollege Maronde noch einen fehlenden Fluss attestierte, funktioniert „The Ghost Of Orion“ ganz hervorragend als Album und wirkt wie aus einem Guss. Vielleicht ist es aber auch gerade deshalb arm an extremen Höhen und Tiefen, für die MY DYING BRIDE viele schätzen und wirkt dadurch möglicherweise gefälliger. Wer immer noch auf eine direkte Fortsetzung von „Turn Loose The Swans“ wartet, wird ebenso enttäuscht werden, wobei man sich ohnehin fragen sollte, wie realistisch so eine Wunschvorstellung im Jahr 2020 noch sein kann.
Auf der Habenseite klingt das, im Übrigen hervorragend produzierte, Album so britisch wie noch nie. Durch den – bewusst oder unbewusst – verstärkten Einsatz folkloristischer Elemente, die eben nicht beliebig, sondern typisch für die Insel klingen, verstärken MY DYING BRIDE die Verbundenheit zu ihrer Heimat. Damit erfinden sie sich vielleicht nicht neu, wirken aber so authentisch wie schon lange nicht mehr und stehen möglicherweise erst am Anfang einer Neuausrichtung, die sich auf den kommenden Veröffentlichungen konkretisieren dürfte.

„The Ghost Of Orion“ ist ein eigenständiges, ausgereiftes und abwechslungsreiches Werk, das oft überraschend eingängig, teilweise aber auch noch gewohnt sperrig ausgefallen ist. Dabei wurde die Reihenfolge der Songs geschickt gewählt und es ergibt sich ein nachvollziehbarer Fluss, der definitiv danach schreit, die Platte am Stück anzuhören. Nicht nur diejenigen, die dem Death Doom ohnehin bereits zugeneigt sind, sollten unbedingt ein Ohr riskieren. Wo sich Album Nummer zwölf letztlich in der Gesamtdiskographie einordnen wird, kann wohl nur die Zeit zeigen

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